ÖDE an die FREUDE – Aufbau einer Ausstellung

Es ist doch so: der Vorhang geht auf, die Türen öffnen sich weit und die kunstinteressierten Menschen strömen landauf, landab in die Kunstausstellungen. Ob Daniel Richter in Hamburg, Picasso in Madrid, Monet im Barberini oder Beumelburg in der Kunsthalle Brennabor: die Betrachter sehen am Ende immer das fertige Ergebnis. Was aber passiert vorher hinter den Kulissen?

Jan Beumelburg hat für ‚ÖDE an die FREUDE‘ rund 300 Bilder, Grafiken, Monotypien und Fotos ausgewählt. Gut ein Drittel der Werke können durch die großzügige Unterstützung privater Leihgeber gezeigt werden. Darunter unter anderem die noch nie komplett gezeigte Serie mit 40 Portaits, die der Künstler zwischen 2009 und 2013 auf und nach Reisen durch die Volksrepublik China malte.

Jan Beumelburg - ÖDE AN DIE FREUDE - Kunsthalle Brennabor Brandenburg an der Havel

Alles musste transportsicher verpackt und in die Ausstellungshalle gebracht werden. Dort wurden die Bilder zunächst ‚grob’ verteilt, dann ausgepackt, gleich etwas ‚feiner‘ vorgeordnet, um dem konzeptionellen Gedanken die Grundlage zu geben – Einschub 1: erstes Pressegespräch und Phototermin mit der BRAWO. Die Frage, welche 6 Wände bekommen welche Farbe war zu klären (Sponsoring mit freundlicher Unterstützung von Farben Voigt in Brandenburg an der Havel). Bis auf welche Höhe soll gestrichen werden? Abkleben der Wände, streichen der Ränder der Flächen, abrollen der Flächen, Farbe trocknen lassen, die Abklebung entfernen, nicht gedeckte Stellen nachstreichen und trocknen lassen – Einschub 2: zweites Pressegespräch und Phototermin mit der MAZ. Zwischendurch den Ausstellungstitel plotten lassen (schnelle Realisierung über Nacht durch die Fa. Werbe Rusch), Fußbodenabdeckungen entfernen, Farbreste vom Fußboden wischen.

Und dann der Moment, wenn die ersten Wände Gestalt annehmen: Laser in Position bringen, Wasserwaage, Zollstock, Nägel, Hammer, Zange ständig am Mann, Tanz auf 3 Leitern, alte Bleistiftstriche von den Wänden radieren, alte Nagellöcher spachteln. Und ganz wichtig in diesem Fall, ein Augenblick der Ruhe und der Anspannung, denn es gibt nur einen Versuch: den geplotteten Ausstellungstitel an die Stirnwand kleben. Am Ende werden rund 500 Nägel die Kunstwerke an den Wänden halten. Die richtige Beleuchtung wurde an 2 Abenden eingerichtet.

Ein letztes Richten der Bilder, Umhängen, Prüfen, Neujustieren, das Anbringen von über 200 Bildbeschreibungen an den Wänden, Aufräumen, Durchwischen, Luft holen. Und dann geht der Vorhang auf, die Türen öffnen sich weit …

ÜBRIGENS: wenn der Vorhang fällt und alle nach Hause gegangen sind, beginnt das Abbauen in umgekehrter, oben beschriebener Reihenfolge …

Matti M. Matthes // März 2023